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War die Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts
eine Bilderwelt der Gegensätze?


Einleitung

Anlässlich unseres Berlin-Projektes besuchten wir am Mittwoch, 25.04.2001, zum Thema "War die Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Bilderwelt der Gegensätze?", die Sammlung "Berggruen - Picasso und seine Zeit" im Stülerbau am Schloss Charlottenburg. Dort beschäftigten wir uns mit den Wegbereitern der Moderne. Da keine Führungen angeboten wurden, bekamen wir drei Arbeitsaufträge, von denen zwei bearbeitet werden sollten. Mit diesen Arbeitsaufträgen konnten wir uns im Museum frei bewegen. Zwei Schülerinnen entwarfen im Rahmen der zweiten Aufgabe ein Storyboard zu Klees Bild "Ein Kinderspiel" aus dem Jahr 1939. In einem Storyboard soll in mehreren Schritten gezeigt werden, wie das Bild wahrscheinlich entstanden ist. Die beiden Schülerinnen empfanden es so, als habe Klee wahllos angefangen zu zeichnen und sein Bild nicht richtig zu Ende gebracht. Dieser Eindruck kann enstehen, doch in Wirklichkeit hat Klee seine Bilder immer genau konstruiert -siehe Bildanalyse im Anhang: Paul Klee, "Ein Kinderspiel", 1939, Kleisterfarben und Aquarell auf Karton. Die Aufgabenstellungen befassten sich mit den Schwerpunkten der Ausstellung: Pablo Picasso und Paul Klee. Die Werke entstammen der Sammlung des Kunst-Sammlers Heinz Berggruen. Dieser war ein großer Verehrer der Kunst dieser beiden Künstler.

Heinz Berggruen

Der Kunsthändler und Sammler Heinz Berggruen wurde 1914 in Berlin geboren. Aufgrund seiner jüdischen Herkunft wurde er - wie viele Künstler auch - von den Nationalsozialisten vertrieben. 1936 emigrierte er in die USA , von wo aus er später nach Paris übersiedelte. Obwohl Berggruen als Journalist und Redaktuer begann und sich erst später zufällig der Kunst zuwandte, besitzt er wichtige Qualitäten/Eigenschaften eines Kunsthändlers und -sammlers: eine differenzierte Wahrnehmung, Kenntnisse vieler Orte, Sprachen und Kulturen, sowie Sensibilität für das Fremd- und Vertrautsein.

In Paris eröffnete Heinz Berggruen nach dem zweiten Weltkrieg seine erste Galerie. Aufgrund seiner Faszination für den Künstler Paul Klee und biographischer Parallelen zu ihm, stellte Berggruen zunächst dessen Graphiken aus.

Im Januar 1991 traf er Wolf-Dieter Dube, den derzeitigen Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin, anläßlich der Eröffnung einer Berggruen-Ausstellung in der National Gallery. Dube lud Berggruen daraufhin ein und zeigte ihm die verschiedenen Sehenswürdigkeiten und Museen Berlins. Dabei entstand die Idee, auch eine Sammlung Berggruens in Berlin auszustellen. Hierfür erschien aufgrund "seiner privaten Atmosphäre" der Stülerbau am Schloss Charlottenburg, in dem zuvor eine Antikensammlung ausgestellt war, sehr geeignet. Das Ziel dieser 1996 eröffneten Ausstellung ist es, der "Kunstszene eine neue Dimension" zugeben. (Die Sammlung Berggruen - Picasso und seine Zeit, Ars Nicolai, 1996) Ihr Schwerpunkt liegt bei Werken Pablo Picassos; an zweiter Stelle ist Paul Klee zu nennen. Werke von van Gogh, Seurat, Giacometti, Braque und Laurens, sowie afrikanische Stammeskunst runden die Ausstellung ab.

Die Beziehung Heinz Berggruens zu Paul Klee

Zum ersten Mal sah Heinz Berggruen einige Bilder Klees in einem Museum in San Francisco. Sein erstes Werk kaufte Berggruen 1940 in Chicago von einem deutschen Emigranten. Es war ein Aquarell aus dem Jahr 1921. Somit entstand es während Klees zehnjähriger Bauhauszeit. Das Bild hieß "Perspective-Spuk" und faszinierte Berggruen auf Anhieb, da es ihn sofort an "Prozeß" von Franz Kafka erinnerte. Franz Kafka war ein Künstler, den Berggruen auch gerade erst entdeckt hatte. Doch nicht nur die ähnlichkeit mit Kafkas Werken faszinierte den Sammler so an Klee. Es war vielmehr die Versponnenheit, der Einfallsreichtum und die Sensibilität, die aus seinen Bildern sprach. "Perspective-Spuk" wurde zu Berggruens ständigem Begleiter und Talisman. Erst nach über vierzig Jahren trennte er sich von dem Aquarell, als er es zusammen mit einem Teil seiner bis dahin ständig gewachsenen Klee-Sammlung an das Metropolitan Museum abgab. Doch nicht nur Berggruen war begeistert von Paul Klee und so fand sich im Laufe der Jahre eine Gemeinschaft zusammen, die sich gegenseitig als "Klee-Mate" bezeichneten. Klee-Mate ist abgeleitet von dem Begriff Playmate und sollte soviel bedeuten, wie Klee-Freund. Am meisten gefiel Berggruen, dass der von ihm so sehr geschätzte Künstler, Pablo Picasso, Paul Klee als einen guten Künstler anerkannte und ihn sogar einmal besuchte.

Berggruen befasste sich jedoch nicht nur mit den Künstlerischen Werken Klees, sondern befasste sich gleichsam mit dessen Schriften, Essays, Tagebüchern und Vorlesungen. So erfuhr er auch etwas über "Klees Welt" (Heinz Berggruen, Hauptweg und Nebenwege, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main, Januar 1999). Klee sagte über sich, dass er gar nicht faßbar sei, da er sich auf der Seite der Toten und Ungeborenen bewege. Daher kommt es wohl auch, dass der Betrachter beim Anschauen seiner Werke das Gefühl hat, der Welt verbunden und gleichzeitig entrückt zu werden.

Paul Klee - Kurzbiographie

Paul Klee wurde am 18.12.1879 in Münchenbuchensee bei Bern geboren. Nach seiner Maturitätsprüfung 1889 wollte er zwar nach Paris gehen, doch die französische Sprache erschien ihm fremd und die Entfernung zu groß, so dass er stattdessen nach München zog. Nachdem er die private Vorschule von Knirr besucht hatte, wechselte er zur Kunstakademie.

Doch das Aktzeichnen unter Franz Stuck langweilte ihn und er besuchte die Klasse Zieglers, in der er die Radiertechnik erlernte. Klee begann satirische Zeichnungen anzufertigen, erst später verwendete er auch Farbe. 1902 fing er eine Serie von 15 Radierungen an, die "Intentionen", die er 1905 abschloss. (Bis 1932 waren es 40 Blätter.) Sie waren sein erster Erfolg, doch seine Bewerbungen als Karikaturist bei verschiedenen Zeitung blieben erfolglos. Im Herbst 1911 trat er mit Künstlern des "Blauen Reiters" in Kontakt, unter ihnen August Macke, Franz Marc, Wassiliy Kandinsky, Marianne von Werefkin, Jawlenky, Gabriele Münter und Hans (Jean) Arp.

1912 besuchte er eine Ausstellung dieser Gruppe. Zusammen mit Kubin, Kaspar und Scharff gründete er selbst eine Künstlergruppe "Sema". Außerdem sammelte er auf seiner zweiten Paris-Reise Erfahrungen. Nach langer Krankheit reiste Klee 1914 zusammen mit Macke und Moilliet nach Tunesien, wo er zu "Hammamet mit der Moschee" inspiriert wurde.

Im März 1916 wurde Klee zum Kriegsdienst einberufen. Drei Jahre später wurde er jedoch schon wieder aus der Armee entlassen. Ende des Jahres schloss er einen Vertrag mit dem Kunsthändler Goltz; Ausstellungen in München (das damals ein bedeutendes Kulturzentrum darstellte, Frankfurt am Main und Hannover folgten.

1920 unterbreitete ihm das Bauhaus ein Angebot, dem er 1921 nachkam. Die Gruppe "Die blaue Vier" wurde 1924 gegründet. Neben Klee waren auch Kandinsky, Jawlensky und Feininger beteiligt. Bis 1931 unterrichtete Klee am Bauhaus und wechselte anschließend zur Düsseldorfer Akademie. Zwei Jahre später wurde das Bauhaus von den Nationalsozialisten geschlossen. Paul Klee emigrierte nach Bern.

Während seiner Zeit als Lehrer verfasste er den Aufsatz "Wege des Naturstudiums" und 1925 sein "Pädagogisches Skizzenbuch", ein Werk, das unter anderem theoretische Betrachtungen über die Perspektiven im Raum, Kompositionsregeln, Beziehungen zwischen Linien und Tonabstufungen und räumliche Projektionen enthält.

Obwohl Klee zwar als bekannter Künstler angesehen würde, ließ Hitler 102 seiner Werke beschlagnahmen und als "Entartete Kunst" versteigern. Im Sommer 1935 erkrankte Klee schwer, wurde im Frühjahr 1940 in ein Santorium in Muralto-Locarno (Italien) gebracht und starb dort am 29.06.1940.

Paul Klee - Lehrtätigkeit am Bauhaus

Am 25.November 1920 bekam Paul Klee im Alter von 42 Jahren ein Telegramm mit der Einladung am Bauhaus als Lehrer tätig zu werden ("Lieber verehrter Paul Klee. Wir lassen einstimmig den Ruf an Sie ergehen, zu uns als Meister an das Bauhaus nach Weimar zukommen." ). Er nahm diese Einladung an und begann so 1921 am Bauhaus in Weimar zu unterrichten. Sein erstes Aufgabenfeld war die Buchbinderei und nach deren Auflösung die Glasmalerei.

Das Bauhaus war mit einer Kunsthochschule zu vergleichen. Die Idee des Gründers, Walter Gropius, und der Leiter des Bauhauses war es, alle Künste harmonisch miteinander zu verbinden und so eine Synthese zwischen Kunst und Handwerk herzustellen. Aus diesem Grund wurden am Bauhaus neue Architekten, Designer und Künstler unterrichtet, die alle sowohl handwerklich, wie zeichnerisch-malerisch und wissenschaftlich-theoretisch ausgebildet wurden. Sie sollten Gebrauchsgegenstände ohne großartige Dekoration für den neuen Menschen entwerfen, planen und bauen. Doch dies war nicht ihre einzige Aufgabe. Sie sollten auch "das Ideal von der Gestaltung einer besseren und sozial gerechten Welt" (Prestel Taschenlexikon, Kunst der Moderne, Klaus Richter) weitertragen. Aus diesem Grund lud Walter Gropius angesehene und bekannte Persönlichkeiten und Künstler ein, am Bauhaus zu unterrichten. Unter diesen Persönlichkeiten waren zum Beispiel Johannes Itten, Wassily Kandinsky, Ludwig Mies van der Rohe und Paul Klee. Bei diesem begann jeder Schüler des Bauhauses seine Ausbildung.

Paul Klee hatte bis zu seiner Lehrtätigkeit am Bauhaus keinerlei Lehrerfahrung und hatte sich sein ganzes Wissen fast ausschließlich selbst angeeignet. Als er an das Bauhaus berufen wurde, war er dem breiten Publikum noch relativ unbekannt, genoss aber in höheren Kreisen schon gutes Ansehen. Paul Klee gilt auch heute noch als einer der wichtigsten Künstler des Expressionismus. Jeder Schüler des Bauhauses besuchte zunächst die Vorlesungen Klees und lernte so innerhalb von zwei Semestern seine elementare Gestaltungslehre kennen.

Klee befasste sich zunächst (1921/1922) mit der bildnerischen Formlehre und später (1922/1923) auch mit der Farblehre. Im Gegensatz zu anderen Meistern am Bauhaus änderte Klee oft seine Technik, Stil und Inhalt seiner Kunst, so auch die Form seines Unterrichts. Die Veränderung kam oftmals durch die Besprechung der und die Diskussion mit den Schülern über die eigenen Bilder/Werke. Die wesentlichen Aspekte seiner Kunstlehre waren Synthese und Analyse.

Klee schenkte der Idee des Bauhauses, Kunst und Architektur zu verbinden in seinem Unterricht nicht viel Beachtung. Statt dessen sah er seine Aufgabe darin den Schülern seine Erfahrungen im Gestalten zu vermitteln. Dies tat er, indem er den Schülern seine Werke als Ganzes zeigte (Synthese) oder sie mit den Schülern bis in das letzte Detail auseinandernahm (Analyse). Nach der übersiedelung des Bauhauses nach Dessau übernahm Klee die Leitung der Schüler im zweiten Vorkurssemester und erweiterte seine Unterrichtsinhalte um den Formunterricht für Weberinnen und die Malklasse ab 1926, in der er die Arbeiten seiner Schüler analysiert und korrigiert. So teilte sich Klees Unterricht in zwei Teilgebiete: Zum einen war dies der theoretische Unterricht und zum anderen die Analyse und Korrektur in der Malklasse. Klee lehrte den Schülern die gestalterischen Mittel der Kunst, doch musste deren Einsatz von den Schülern immer selbst erarbeitet werden. Seine Ausdrucksweise in seinem Unterricht war immer sehr bildhaft und daher gut verständlich. Klee führte seinen Unterricht sehr gründlich und sachlich durch. Dies konnte für die Schüler teilweise relativ langweilig werden, doch waren sie froh darüber, einen so guten Lehrmeister zu haben, der immer gut vorbereitet war. Trotz der guten Vorbereitung war der Ausgang einer jeden Vorlesung unbestimmt, denn Klee sah immer mehre Lösungen als richtig an.

Paul Klee stellte während seiner Lehrtätigkeit fest, dass er sich zum ersten Mal in seinem Leben Gedanken über das machen musste, was er sonst eigentlich unbewußt tat. Aus diesen Gedanken entstand das 1925 erschienene "Pädagogische Skizzenbuch". In diesem Buch setzte er Regeln fest, an die auch er sich fast ausnahmslos hielt. Er war der festen überzeugung, dass Bilder nach bestimmten Regeln/Plänen gebaut würden. Doch während der Direktionszeit von Hannes Meyer verlor Klee immer mehr die Lust am Unterrichten, denn es ging nicht mehr um Kunst und die ursprüngliche Idee des Bauhauses, sondern es begann eine absolut wissenschaftliche und rationalistische Phase. Die Künstler waren nur noch notwendiges übel am Bauhaus. Deshalb kam Klee ein Angebot der Düsseldorfer Kunstakademie sehr gelegen.

1931 wechselte er nach Düsseldorf, wo ihm wesentlich mehr Freiheit zuerkannt wurde und er das Unterrichten nicht mehr als Zwang empfand. über seinen Fortgang waren Schüler und Lehrer des Bauhauses traurig. Besonders sein enger Freund Kandinsky bedauerte seinen Fortgang und so wurde Klee eine Nummer der Zeitschrift "bauhaus" gewidmet. Darin schrieb Kandinsky, dass Klee das Bauhaus bereichert habe, da er ein großer Künstler und ein guter Mensch sei.

Paul Klee - Seine Art zu Malen

Als Paul Klee 1879 geboren wurde, befand sich der Impressionismus auf seinem Höhepunkt. Erste Vorläufer der Moderne stellten ihre Werke aus. Im Alter von sechs Jahren begann er, unter Anleitung seiner Großmutter, mit Pastellkreiden zu zeichnen: seine erste Begegnung mit Farben, von denen er später wieder Abstand nehmen sollte. Denn er konzentrierte sich nach dem Schulabschluss zunächst auf satirische Schwarz-Weiß-Zeichnungen. Den dort erkennbaren Stil behielt er bis etwas 1913, doch auch spätere Werke Klees sind davon geprägt. Mit treffsicheren Strichen verzerrte er die Figuren - zum Teil bis zur Unkenntlichkeit. In seinen Bildern liegt ein Ausdruck von Pessimismus, Angst und Trostlosigkeit, was sein "Diagramm der Erlösung" (1934), "Trotzige Wehr" (1935) und "Wachsende Waffen" (1935) veranschaulichen.

Ein weiteres stilistisches Mittel ist die Verschmelzung von Traum und Wirklichkeit: Klee ließ Pflanzliches mit Tierischem verschmelzen. Glieder werden zu ästen und umgekehrt, Finger verwandeln sich in Knospen und umgekehrt. Diese surrealistischen Metamorphosen sind zum Beispiel in der Kreidezeichnung "Hinabgestossen" (1939) oder in dem Bild "Frau im Liegestuhl" (1911) zu erkennen.

Klee suchte nach den Uranfängen der Kunst, wollte den absoluten Nullpunkt erreichen und gleichzeitig den totalen Ausdruck in seinen Werken schaffen. "Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar", so hatte er sein Schaffen einmal zu erläutern versucht. Er wollte wohl damit ausdrücken, dass der Ausdruck/die Bedeutung eines Bildes und nicht die Bildgegenstände im Vordergrund stehen müssen. Doch nicht nur diese Ansicht Klees war neu, auch seine Experimentierfreude unterschied ihn von anderen Künstlern. Klee malte mit Oel sowohl auf gewöhnliche Leinwand aus Leinen, als auch auf Nesselstoff und Schirtig, den er zuvor mit Gips und Kreide grundierte. Er fertigte Tempera-Zeichnungen und Aquarelle an, benutzte als Untergrund für Zeichnungen nicht nur Pappe, sondern auch Holztafeln und verwendete Papiere unterschiedlicher Körnung. Außerdem kombinierte er verschiedene Malutensilien wie zum Beispiel Kreide und Wasserfarbe, Kreide und Bleistift, Oel und Tempera, Oel und Aquarell, sowie Aquarellfarben und Wachsstifte. Bildbeispiele hierfür sind u.a. "Der Seefahrer" (1923), "Zimmerperspektive mit Einwohner" (1921) und "Pflanze mit Fenster" (1927).

Klee erzielte ungewohnte Effekte, indem er seine Bilder wusch, schliff oder bürstete. Farbe trug er teilweise mit einem Zerstäuber auf, um eine neuartige Wirkung zu erzielen und Plastizität zu unterstreichen. Ähnlich wie schon Vincent van Gogh verfälschte und verschob Klee die Perspektive in seinen Bildern indem er mehrere Fluchtpunkte konstruierte. Weitere Parallelen gibt es zu den Impressionisten Henri Matisse ("Gartenscene" von 1905) und Paul Cézane, sowie zu Delaunay und Seurat - obwohl ihm die beiden letzt Genannten gar nicht bekannt waren.

Paul Klee und verschiedene Künstlergruppen

Wie bereits erwähnt war Paul Klee in verschiedenen Künstlergruppen aktiv. Im Jahre 1911 traf er auf die Künstler des "Blauen Reiters". Diese waren August Macke, Franz Marc, Marianne von Werefkin, Gabriele Münter, Hans (Jean) Arp und Wassily Kandinsky, mit dem sich später eine enge Freundschaft entwickelte. Kandinsky war der Initiator dieser Gruppe und benannte sie nach einem seiner Gemälde. Die Intentionen dieser abstrakten Künstler des "Blauen Reiters" bestand darin, beim Betrachter Gefühle jeglicher Art auszulösen.

Aufgrund ihrer ebenfalls engen Zusammenarbeit in der Künstlergruppe "Blaue Vier" und während der Bauhauszeit lassen sich Parallelen zwischen den beiden Künstlern Klee und Kandinky feststellen. So spielen geometrische Formen und Bildzeichen in ihren Werken eine große Rolle. (Beispiel: "Tod und Feuer" von Paul Klee und "Bunter Kreis" von Wassily Kandinsky). Weitere Parallelen mit Klees Stil lassen sich zu Seurat und Delaunay ziehen. Zu Seurat ist zu sagen, dass er ein Pariser Künstler und wegweisend für den Kubismus war, obwohl er eher den Pointilisten zuzuordnen ist. (Bildvergleich: Georges Seurat, "Ein Sonntagnachmittag auf der Insel Grande Jatte" 1884)

Als ein weiterer Mitbegründer des Kubismus ist Georges Braque zu nennen. Braque war, wie Matisse, ein Mitglied der "Fauves". Der Fauvismus zeichnet sich besonders durch den Einsatz von Komplementärfarben (Gelb-Violett, Rot-Grün, Blau-Orange) und den daraus resultierenden Kontrasten aus. Wie auch im Kubismus und in den Werken Klees erkennbar, verliert die Darstellung der realen Erscheinung durch die Dominanz der Farbe an Bedeutung. Des weiteren arbeitete Braque mit Picasso, der auch unter dem Einfluss des Impressionisten Paul Cezanne stand, zusammen.

Bildanalyse - Paul Klee "Tod und Feuer",1940, 46x44 cm

In dem Bild "Tod und Feuer" von Paul Klee aus dem Jahr 1940 ist ein weißes Gesicht inmitten von kräftigen Farben zu sehen. Im rechten Teil neben dem Gesicht ist noch ein Strichmännchen abgebildet.

Der Blick des Betrachters wird durch das fast runde Gesicht in der Mitte des Bildes und dessen weiße Farbe genau auf die Mitte des Bildes gerichtet. Der Mittelpunkt des Bildes ist gleichzeitig Schnittpunkt der Mittelsenkrechte, Mittelwaagrechte und der Diagonalen. Das Bild wird bestimmt durch einfache und geometrische Formen, wie durch den Kreis. Es wurde eine eher offene Bildform gewählt. Das Farbrepertoire reicht von den beiden warmen Farben Rot und Orange über die Nicht-Farben Weiß und Schwarz (Schwarz ist nur als Konturfarbe eingesetzt) bis hin zu dem kalten Farbton, der aus Blau und Grün angemischt worden zu sein scheint. In dieser Farbkomposition dominieren deutlich die warmen Farben (Quantitätskontrast). Oft sind keine reinen Farben erkennbar, da sie mit Schwarz verdunkelt wurden.(Qualitätskontrast). Das Bild ist eine nichtnaturalistische Malkonzeption und eine aperspektivische Raumkonzeption. Es ist kein Vorder- Mittel- oder Hintergrund zu erkennen. Daher gibt es keine Raumkomposition. Das Bild entstand im Jahr 1940, also im Jahr, in dem der Künstler Paul Klee starb. Es kann sein, dass er über sein Leben reflektierte.

Bildanalyse - Paul Klee "Ein Kinderspiel" 1939, Kleisterfarben und Aquarell auf Karton

Das Bild "Ein Kinderspiel" von Paul Klee zeigt in abstrahierter Darstellungsweise ein spielendes Mädchen und daneben einen Hahn. Die Konturen werden mit dicken schwarzen Linien nur ansatzweise umrissen.

Es macht den Anschein, als ob zwischen dem Betrachter und der dargestellten Figur nur ein geringer Abstand besteht. Durch die über den Bildrand hinauslaufenden Formen wird die offene Bildform deutlich. Wie in anderen Bildern auch, verwendete Klee verschiedene Bildzeichen, wie Herz, Spirale, umgedrehtes S im Rechteck und andere nicht näher bestimmbare Zeichen. Die geschwungenen Linien zeigen eine dynamische Bildkonzeption.

Der Maler entschied sich hier für eine valeuristische Malkonzeption. Er verwendete hauptsächlich Ocker und Gelb, sowie etwas Schwarz und Rot (Linien). Dadurch entstehen ein Quantitäts- und ein Hell-Dunkel-Kontrast zwischen Schwarz und Ocker. Es ist eine aperspektivische Konzeption, in der Vorder- , Mittel- und Hintergrund nicht unterschieden werden. Das Bild entstand ein Jahr vor Klees Tod. Zu diesem Zeitpunkt war er schon schwer krank. In diesem Bild wird deutlich, dass Klee versuchte, Grenzen aufzuheben und zur Einfachheit und dem Ursprung der Kunst zurückzukehren. Dies drückt er durch Reduzierung von Details und Verschwimmen der Konturen aus. Grenzen zwischen der Figur des Mädchens und dem Hintergrund sind nicht erkennbar.

Literaturverzeichnis:

Maria Carla Prette & Alfonso De Giorgis, "Was ist Kunst", Kaiser 1999
Denys Chevalier, "Paul Klee", Gondrom Verlag (GmbH & Co KG) 1992
Ingo F. Walther, "Vincent van Gogh", Benedikt Taschen Verlag 1986
Klaus Richter, "Kunst der Moderne", Prestel 2000
Carola Giedion Welcker, "Klee", Rowolth 1961
Tilman Osterwold, "Paul Klee Die Ordnung der Dinge", Verlag Gerd Hartje 1940
Regel, F. Schulz, J. Kirschenmann, H. Kunde, "Moderne Kunst - Zugänge zu ihrem Verständnis", Ernst Klett Schulbuchverlag 1994
Paul Klee, "Pädagogisches Skizzenbuch", Florian Kupferberg Verlag 1965
"Die Sammlung Berggruen - Picasso und seine Zeit", Ars Nicolai 1996
Heinz Berggruen, "Hauptweg und Nebenwege, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, 1999




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